Nach vorläufigen Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung
im Auftrag von Statistik Austria verzeichnete die österreichische Wirtschaft
im Jahr 2011 ein reales Wachstum von +3,1%. Obwohl sich die Konjunkturdynamik
im 4. Quartal merklich verlangsamte, bedeutet das den stärksten jährlichen
realen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit dem Jahr 2007. Darüber
hinaus wurde 2011 das durchschnittliche Wachstum sowohl der Eurozone
(+1,4%) als auch der Europäischen Union insgesamt (+1,5%) deutlich
übertroffen (Quelle: Eurostat Datenbank, März 2012).
Eine detaillierte Betrachtung des Produktionsansatzes nach Wirtschaftsbereichen
zeigt, dass 2011 insbesondere die Herstellung von Waren (+10,4% real)
sowie die Energie- und Wasserversorgung (+12,6% real) deutlich über
dem Durchschnitt liegende Wachstumsraten verzeichneten. Im Dienstleistungsbereich
wies 2011 erneut das Kredit- und Versicherungswesen das kräftigste
Wachstum aus (+6,0% real) und setzte damit den überdurchschnittlichen
Wachstumstrend der vergangenen Jahre fort.
Die Bauwirtschaft konnte nach drei rückläufigen Jahren in Folge
(2010: -3,0% real) im Jahr 2011 wieder zulegen (+2,7% real), der Informations-
und Kommunikationsbereich (-1,5% real) sowie das Beherbergungs- und
Gaststättenwesen (-0,5% real) mussten hingegen Rückgänge verzeichnen.
Der kräftige Zuwachs bei der Herstellung von Waren spiegelte sich
verwendungsseitig vor allem in den Exporten wider (real +6,7%), die
2011 erstmals das Vorkrisenniveau übertrafen. Das lag vor allem an
den Exporten von Waren (real +7,7%), während sich die Dienstleistungsexporte
aufgrund des rückläufigen Reiseverkehrs (real -2,4%) weniger dynamisch
(real +4,1%) entwickelten.
Ein recht deutliches Wachstumsplus verzeichneten die Bruttoinvestitionen
(+14,0% real), was aber zu einem Gutteil auf einen kräftigen Lageraufbau
(6,7 Mrd. Euro) zurückzuführen ist. Die Investitionen in Anlagegüter
wuchsen real um 5,7%. Neben den kräftigen Zuwächsen sowohl bei den
Fahrzeuginvestitionen (+22,5% real) als auch bei den Investitionen in
Maschinen und Geräte (+11,3% real) erzielten nach zwei rückläufigen
Jahren auch die Bauinvestitionen wieder ein Plus (Wohnbauinvestitionen
real +3,8%, sonstige Bauinvestitionen +1,9% real). Der Konsum weist
verwendungsseitig die geringste reale Wachstumsrate auf (+1,1%), vor
allem die Konsumausgaben der privaten Haushalte entwickelten sich mit
einem realen Plus von 0,6% sehr schwach. Die Konsumausgaben des Staates
legten real um 2,7% zu.
Verteilungsseitig stiegen Bruttobetriebsüberschuss und Selbständigeneinkommen
(+5,9% nominell) etwas stärker als das Arbeitnehmerentgelt (die Summe
aller Geld- und Sachleistungen von Arbeitgebern an Arbeitnehmer, +4,7%
nominell). Das reale verfügbare Nettoeinkommen der Volkswirtschaft
wuchs mit +3,1% gleich stark wie das Bruttoinlandsprodukt.
Das Arbeitsvolumen (= Anzahl der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden)
legte 2011 um 1,7% zu, was einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen
Arbeitsproduktivität um 1,4% bedeutet.
Der “BIP-Deflator“ (der implizite Preisindex, errechnet aus nominellem
und realem Bruttoinlandsprodukt auf Vorjahrespreisbasis) betrug 102,1.
Die Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen inländischen Preisauftriebs
blieb damit deutlich unter der Änderungsrate des Verbraucherpreisindex
(+3,3%).